Jun 12, 2023 | Gastbeitrag

Warum Frauen noch immer weniger Firmen gründen
Femoana Warum Frauen weniger Firmen gründen

Schaut man auf die Zahlen von Firmengründungen und schlüsselt diese nach dem Anteil von Frauen und Männern auf, so findet sich ein noch immer ein nicht ausgeglichenes Bild. Im Jahr 2021 waren insgesamt nur 16 % der Start-up-Gründungen von Frauen. Interessant dabei ist nach einem Bericht des ifo Institut (2022), dass die Betreuungssituation für Kinder eine entscheidende Rolle bei der Gründung von Frauen spielt. So erhöht sich die Zahl der Start-up-Gründerinnen im Vergleich zum Durchschnitt auf 19 %, wenn die Frauen in Gebieten wohnen, wo es eine gute und ausreichende Betreuung für Kinder gibt. Während der prozentuale Anteil von Start-ups und Frauen noch viel Luft nach oben aufzeigt, sieht es bei anderen Formen der Existenzgründung etwas besser aus. Die Studie „Female Entrepreneurship“ der KfW-Bank von 2022 zeigt einen ausgeglichenen Anteil der Gründerinnen und Gründer im freiberuflichen Bereich (Anwältinnen, Tierärztinnen, Journalistinnen etc.). Anders sieht es bei den Gesamtzahlen von Gründungen aus. Zu diesen zählen alle gewerblichen und freiberuflichen Tätigkeiten, die Frauen im Neben- oder Vollerwerb ausführen. Dort liegt laut Statista (2021) der Frauenanteil bei 42 %. Neben einer sicheren Betreuungssituation spielen aber noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Immer noch fehlt es an weiblichen Vorbildern, die anderen Frauen mit ihrer eigenen Erfahrung zur Seite stehen und auf dem Weg in die Selbstständigkeit ermutigen. Über den Austausch in entsprechenden Netzwerken finden zukünftige Gründerinnen die Möglichkeit, sich austauschen und inspirieren zu lassen. Denn neben einer guten Portion Mut benötigen die meisten Existenzgründerinnen auch ein entsprechendes Startkapital und spätestens an diesem Punkt, warten neue Schwierigkeiten auf die Frauen. Häufig ist es die Dominanz von Männern als Investoren, die Frauen ausbremsen und keine oder Kredite zu schlechteren Konditionen vergeben wollen, im Vergleich zu männlichen Gründern. Auch Stereotypen und alte Rollenmuster in der Erziehung von Mädchen führen häufig dazu, dass diese weniger risikobereit sind und den Weg in die Selbstständigkeit eher meiden als Männer.

Ein besonderes Beispiel dazu liefern Daten aus dem Jahr 2021 über die Vergabe von Risikokapitalfonds. Insgesamt wurden vier Milliarden Euro neuen Unternehmen zur Verfügung gestellt. Leider bestätigte die Aufteilung die Vorurteile und Schwierigkeiten von Existenzgründerinnen. Von dem Gesamtbetrag erhielten gerade einmal 2 % Gründerinnen, während 91 % an Gründer und 7% an gemischte Teams verteilt wurden. Aber warum haben Frauen so viele Schwierigkeiten bei der Gründung eines Unternehmens? Einer der Gründe liegt in der schlechten Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das Betreuungsangebot kann sich je nach Wohnort sehr stark unterscheiden und jeder Frau mit Kindern dürfte die Zeit der Corona-Pandemie noch sehr gut in Erinnerung sein, denn es waren besonders die Mütter, die mit den Folgen von Homeschooling und geschlossenen Betreuungsmöglichkeiten zu kämpfen hatten. Aber auch die Benachteiligung von Selbstständigen Frauen, die privat versichert sind und kein Mutterschaftsgeld erhalten oder die z.T. hohen Kosten von Unternehmen, die auch während einer Elternzeit weiterlaufen sind wichtige Punkte, die bei einer Firmengründung eine große Rolle für Frauen spielen. Ein weiterer wichtiger Grund liegt im vermeintlich fehlenden Selbstbewusstsein der Frauen. Im Vergleich zu Männern, sind Frauen oft weniger risikobereit und vorsichtiger bei Entscheidungen rund um Beruf und Finanzen. Was auf der einen Seite eine sehr gute Eigenschaft sein kann (z.B. gehen frauengeführte Unternehmen viel seltener in eine Insolvenz!), ist auf der anderen Seite für Investoren und eventuelle Geschäftspartner oft eine Bestätigung der alten Geschlechterstereotypen und macht den Frauen die Existenzgründung deutlich schwerer. Viele Frauen entscheiden sich daher gegen eine Existenzgründung oder gehen den risikoärmeren Weg und gründen ein kleines Unternehmen im Nebenerwerb.

Die Branchen mit den höchsten Frauenanteilen liegen im künstlerischen Bereich (19 %), Medienbereich (18 %) und Marketing und PR (13 %). Schlusslicht dagegen sind die Bereiche IT und Technik, wo sich die wenigstens Frauen an eine Existenzgründung wagen. Der Gender-Gründungs-Gap zeigt sehr deutlich die Benachteiligung von Frauen im Bereich der Unternehmensgründungen und es braucht deutlich mehr Gleichberechtigung in der Gründungswelt. Hier ist vor allem die Politik dringend gefragt und muss die Frauen noch besser unterstützen. Als ein wichtiger Punkt sind dabei zuverlässige Betreuungsmöglichkeiten für Kinder gefragt, mehr Aufklärung und Wissen über die Finanzen und die zahlreichen Möglichkeiten in den von Männern dominierten Berufsbranchen, leichterer Zugang zu Gründungskapital und eine paritätische Eltern- und Betreuungszeit zur Entlastung von selbstständigen Frauen (was natürlich auch für Frauen im Angestelltenverhältnis erreicht werden muss).

Beitrag erstellt von: Femoana – Christine Gast – www.femoana.de – info@femoana.de

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Christine Gast

Christine Gast

Gründerin von Femoana Gastautorin

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