Susanne und ich haben unterschiedliche berufliche und private Situationen und Karrieren. Trotzdem, uns verbindet einiges. Und eins insbesondere: unsere tiefste Überzeugung, dass wir die Stärke von Frauen für unsere Zukunft brauchen.

Diversität ist ein Erfolgsfaktor, da die Belange aller mitberücksichtigt werden. Und nicht nur das - Frauen und Männer bringen unterschiedliche Eigenschaften und Stärken mit sich - damit werden Entscheidungen und Ausführungen stabiler, inklusiver und nachhaltiger. Etliche Studien belegen dies. Eine Gleichberechtigung der Geschlechter macht einfach Sinn.

Netzwerke sind wichtig, aber nicht ausreichend

Selbstverständlich ist es wichtig, dass Frauen und auch Männer sich untereinander unterstützen. Frauen Netzwerke z.B. leisten wertvolles wie Sichtbarkeit, Selbstvertrauen, Empfehlungen, Netzwerken. Das, was Männer in Männerbünden seit Jahrhunderten auch tun.

Aber in einem geschlossenen Männer- oder Frauen-Netzwerk entsteht kein gegenseitiges Verständnis. Kein Dialog. Keine Kompromisse. Frauen und Männer müssen aber miteinander reden, Verständnis für die anderen aufbringen und Kompromisse finden. Wir Menschen müssen immer nach den besten Lösungen streben. Für uns, unsere Kinder, unser Planet.

Obwohl sich in den letzten Jahren sehr viel getan hat, sehen wir aktuell immer noch einige Barrieren zur Gleichberechtigung.

Unsichtbare Barrieren

Erstens, es fehlt an Einsicht. Die meisten Männer, aber auch viele Frauen, sehen keinen Bedarf. "Die Gleichberechtigung ist doch in der deutschen Verfassung verankert, Frauen haben die gleichen Rechte wie Männer." "Frauen können studieren, was sie wollen, und können sich auf Führungspositionen bewerben. Wenn sie dies nicht tun, ist es ihre freiwillige Entscheidung." So hören wir es oft.

Darüber hinaus herrscht die Meinung: "Frauen sind sowieso nicht besser als Männer - manchmal sind sie sogar schlechter. Also warum Frauen fördern?" "Nur die geeignetste Person verdient den Top-Job."

Zweitens, es fehlt an Sichtbarkeit. Schon mal nach einer Rechtsanwältin, Fotografin oder Webdesignerin im Internet gesucht? Und einen Rechtsanwalt, Fotograf oder Webdesigner gefunden? Fakt ist, dass frauengeführten Unternehmen oft weniger sichtbar sind. Wir finden sie nicht, wenn wir sie suchen (falls wir sie suchen). Und wählen dann das nächstbeste - mal wieder ein männergeführtes Unternehmen.

Drittens, wir hoffen, die anderen werden es richten. Wir Kund*innen (Verbraucher*innen und Einkäufer*innen) erwarten, dass die Gleichberechtigung von der Regierung und von den großen Konzernen geregelt wird. Sie müssen ausreichend Frauen in Führungspositionen besetzen, müssen die Vereinbarkeit von Beruf und Familien sicherstellen, müssen Frauen die gleichen Gehälter wie den Männern bezahlen.

Dabei vergessen wir, dass auch wir Kund*innen eine große Macht haben, die Gleichberechtigung voranzutreiben.

Macht der Kunden

Wir entscheiden jeden Tag, von welchem Unternehmen wir unsere Produkte und Dienstleistungen kaufen. Je mehr wir von männergeführten Unternehmen kaufen, denen Gleichstellung möglicherweise völlig egal ist, desto weniger bekommen wir eine gleichberechtigte Welt. Umgekehrt hört es sich viel besser an: je mehr wir von frauen(mit)geführten Unternehmen kaufen, desto mehr erfolgreiche Unternehmer*innen gibt es in unserer Wirtschaft. Und erfolgreiche Unternehmer*innen haben Einfluss - unmittelbar auf die Firmenkultur (Gehälter, Vereinbarkeit von Beruf und Familie) sowie auf lokale und oft nationale Politik.

Gemischte Recherche-Ergebnisse 

Susanne und ich haben recherchiert und viele tolle Frauen-Netzwerke und inspirierende Frauen-Organisationen gefunden. Uns ist aber aufgefallen, dass ein einfaches branchenübergreifendes Verzeichnis von frauengeführten Unternehmen in Deutschland fehlt.

Die Menschen, die gerne einen Teil ihrer Produkte und Dienstleistungen bei frauengeführten Unternehmen kaufen würden, finden die Unternehmen nicht. Oder nur durch mühsames Nachfragen bei Freunden oder langwierige Recherchen im Internet.

Wir haben uns gefragt: "Wenn Verbraucher*innen der Zugang zu solchen Unternehmen erleichtert wurde, würden sie öfter dort einkaufen"?

Also haben wir eine Umfrage unter Unternehmer*innen und Verbraucher*innen durchgeführt. Die Rückmeldung war gemischt, aber gleich in beiden Gruppen. 30% würden definitiv ein Branchenverzeichnis von frauengeführten Unternehmen aller Art nutzen. 30% würden es nur nutzen, wenn es seriös, umfangreich und einfach in der Handhabung wäre. Und 30% waren eher skeptisch.

Lasst es uns ausprobieren!

Wir haben uns also entschieden, auf eigenen Kosten einen kleinen Piloten durchzuführen. Dabei waren uns ein paar Sachen wichtig:

  • das Branchenverzeichnis sollte nicht nur die Produkte / Dienstleistungen zeigen, sondern die Unternehmer*innen sollten auch ein wenig von sich erzählen - z.B. über ihre Firmenwerte und ihre persönliche Motivation. Wir Kund*innen möchten wissen, wer hinter ein Produkt steckt und warum.
  • nicht nur selbstständige Frauen und ausschließlich frauengeführten Unternehmen sollen dabei sein, sondern auch Firmen, wo Frauen über Strategie und Mitteleinsatz maßgeblich mitentscheiden; z.B. (Mit-)Geschäftsführerin und (Mit-)Inhaberin bzw. Firmen mit 50% Frauen in der Geschäftsleitung. Deshalb nutzen wir häufig das etwas unbequeme Wort "frauen(mit)geführt". Diese Firmen sind wichtig, weil sie sich um Diversität und Inklusion bemühen. Und die Frauen an der Spitzenposition haben dafür hart gearbeitet und sind für andere Inspiration und Motivation.
  • wir möchten Diverse ausdrücklich einschließen - auch wenn sie eine Minderheit in unserer Gesellschaft sind. Eine Gleichberechtigung der Geschlechter heißt Gleichberechtigung ALLER.

Wichtige Erkenntnisse 

Unser Pilot brachte uns einige wichtige Erkenntnisse. Auch die Gespräche mit vielen Menschen - selbstverständlich auch mit Männern. Uns wurde klar, dass wir ALLE Menschen ansprechen müssen, wenn wir die Gleichberechtigung vorantreiben möchten. Männer fragen verständlicherweise mehr als Frauen, warum sie bei frauen(mit)geführten Unternehmen kaufen sollen. Was haben sie davon? Was bringt es?

Ein Branchenverzeichnis von frauen(mit)geführten Unternehmen ist also die Basis. Diese Unternehmen und Unternehmer*innen sichtbarer zu machen ist unsere Kernaufgabe. Dazu kommt wichtige Aufklärungsarbeit. Den oben genannten fehlenden Einsichten mit Fakten, Statistiken und Beispiele entgegentreten. Lösungsansätze aufzeigen. Inspiration, Provokation, Spaß gehört natürlich auch dazu. Dies alles gelingt am besten durch Kooperationen mit gleichgesinnten Organisationen. Zusammen sind wir stärker und hoffentlich schneller am Ziel.

2030* geht in die nächste Phase

In September 2022 haben wir unsere Webseite etwas angepasst und begonnen nach außen zu kommunizieren - angefangen mit diesem ersten Beitrag und mit regelmäßigen Beiträgen auf unseren Instagram, Facebook und LinkedIn Kanälen. Wir sind (noch) ein kleines Team und können noch nicht alles umsetzen, was uns vorschwebt. Aber step by step...

Wir sind mehr denn je überzeugt, dass wir Initiativen wie 2030* brauchen. Wir müssen einfach alles für eine gleichberechtigte Welt tun. Gerade jetzt, wo uns andere Themen wie Klimawandel, Krieg gegen die Ukraine, Energiekrise, Inflation…so sehr beschäftigen. Gerade jetzt und gerade deswegen brauchen die Stärken von Frauen und Männer, um in allen diesen Belangen kluge nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Nur so können wir für die riesigen Herausforderungen für diese gesamte Menschheit bewältigen und eine gute Zukunft für alle gestalten.

Deshalb mussten wir 2030* einfach gründen.